Aus Nordamerika nach Sibirien eingewanderte Wollhaarmammuts verdrängten offenbar die dort zuvor heimischen Populationen, bevor sie letztendlich selbst ausstarben. Dies zeigen Analysen der aus Mammut-Knochen extrahierten mitochondrialen DNA. Die Forschungsergebnisse bestätigen frühere Vermutungen, wonach Mammuts die Beringstraße auch von Ost nach West überquerten.
Hendrik Poinar von der McMaster University in Hamilton und seine Kollegen extrahierten das Erbgut von 135 gesicherten Mammut-Funden, ergänzten die ermittelten Sequenzen mit bereits bekannten publizierten Daten und erstellten einen Stammbaum der verschiedenen Abstammungslinien. Dabei stellten sie fest, dass zwei Mammut-Gruppen amerikanischen Ursprungs vor etwa 300.000 Jahren in Sibirien auftauchten und im Laufe der nächsten Jahrtausende die dort ursprünglich vorkommenden asiatischen Linien vollständig verdrängten.
DNA shows that last woolly mammoths had North American roots
Solscape
Harfenklänge aus dem Computer
Griechen und Römer liebten die Musik. Welche Melodien sie spielten, bleibt wohl für immer ein Geheimnis; wie ihre Instrumente klangen hingegen nicht. Mit Hilfe von Computern können sie als virtuelle Rekonstruktion zum Klingen gebracht werden. So wie das Epigonion, das Francesco De Mattia vom Conservatorio di Musica di Salerno und seine Mitarbeiter jetzt vorstellten. Die Harfe ist auf griechischen Vasenbildern zu sehen und in historischen Dokumenten beschrieben. So berichtet der griechische Autor Athenaeus um 200 n.Chr., dass der Musikant das 40-saitige Epigonion mit beiden Händen spielte und mit sanft gezupften Tönen den eigenen Gesang unterstrich. Die Wissenschaftler erstellten im Computer ein virtuelles Epigonion und berechneten auf der Basis der physikalischen Eigenschaften die Klangeigenschaften. Das Ergebnis: ein vierstimmiges Musikstück von einer halben Minute Länge, welches man sich hier anhören kann (MP3; Link öffnet sich in einem neuen Browserfenster).
Blick ins Zentrum der Milchstraße
Im Zentrum der Milchstraße liegt, wie in vielen anderen Galaxien auch, ein Schwarzes Loch. Bisher konnte es noch nicht direkt beobachtet, sondern nur durch seine Auswirkungen auf die Umgebung identifiziert werden. Jetzt haben Astronomen die Auflösung von astronomischen Beobachtungen so stark erhöhen können, dass ihr Blick fast bis zum Ereignishorizont des Schwarzen Lochs reichte. Die Wissenschaftler nutzten dazu die Technik der sog. Very Long Baseline Interferometry (VLBI). Dies ist eine Methode, bei der Radioteleskope an weit auseinander liegenden Standorten so zusammengeschaltet werden, dass sie wie ein einzelnes Großteleskop arbeiten. Durch diesen „Trick“ wird die Auflösung extrem gesteigert. Die Astronomen nahmen mit dieser Teleskop-Kombination die Strahlung ins Visier, die vom Himmelsobjekt Sagittarius A* ausgeht. Im Wellenlängenbereich von 1,3 Millimetern entdeckten sie dabei eine Struktur von nur 37 Mikro-Bogensekunden – dies entspricht einer Größe von gerade einmal 48 Millionen Kilometern oder einem Drittel der Entfernung Erde-Sonne. Bisher konnten die Wissenschaftler allerdings nur grob erfassen, welche Form diese Struktur hat. Weitere Beobachtungen sollen nun zeigen, ob es sich um eine glühende Korona um das Schwarze Loch, einen „Hot Spot“ in der Umlaufbahn um das Schwarze Loch oder eine Materiefontäne handelt.
Mit der Lupe zum inneren Kern
Rosettas Vorbeiflug an Asteroid Steins
Nach rund viereinhalb Jahren Flugzeit wird die europäische Kometensonde Rosetta am 5. September 2008 um 20:58 Uhr MESZ den Asteroiden Steins in einer Entfernung von rund 800 Kilometern passieren und ihn dabei eingehend erkunden. Vor, während und nach der größten Annäherung wird Rosetta zahlreiche Bilder aufnehmen und wissenschaftliche Experimente durchführen, an denen auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beteiligt ist.
Rosetta spacecraft meets asteroid Steins
Hannys rätselhaftes Objekt

Hannys Voorwerp
Im einzigartigen Projekt „Galaxy Zoo“ sind zehntausende Freiwillige dazu aufgerufen, die Galaxien auf Millionen automatisch aufgenommener Fotos des Sloan Digital Sky Survey (SDSS) zu klassifizieren. Der bislang spektakulärste Fund: ein riesiges, unbekanntes intergalaktisches Objekt. Seine Entdeckerin: die Physiklehrerin Hanny van Arkel aus Heerlen in den Niederlanden.
Die Frage, welche Hanny im Forum von „Galaxy Zoo“ stellte, schien völlig harmlos zu sein: „Was ist das blaue Ding da unten?“, schrieb sie neugierig am 13. August 2007. „Das blaue Ding“ – seine tatsächliche Farbe ist grün – ist ein nebulöser Fleck auf einem Bild der rund 700 Millionen Lichtjahre entfernten Spiralgalaxie IC 2497. Die harmlose Frage sollte die Lehrerin auf einen Schlag berühmt machen, denn der Klecks war bisher niemandem aufgefallen. Und so starrten die Astronomen zunächst ziemlich ratlos auf die milchig-grüne Stelle im Universum, die nun unter dem Namen „Hannys Voorwerp“ bekannt ist. Und dazu trug der Astronom William Keel von der University of Alabama in Tuscaloosa wesentlich bei. Anfangs hielt er das mysteriöse Objekt für eine Galaxie. Dann stellte er fest, dass es darin keine Sterne gab. Was den Forscher schließlich auf die Idee brachte, dass es sich womöglich um eine riesige, intergalaktische Gaswolke handelt, die vom Licht eines Quasars auf bis zu 20.000 Grad Celsius aufgeheizt wird. Der Quasar ist längst erloschen, doch das Gas in „Hannys Voorwerp“ reflektiert seine Energie bis heute. Um das Geheimnis endgültig zu lüften, soll das Weltraumteleskop Hubble jetzt den Fleck inspizieren.
Die Homepage des Projekts „Galaxy Zoo“
Alles über „Hannys Voorwerp“ und seine Entdeckerin im Forum von „Galaxy Zoo“
Informationen zu „Hannys Voorwerp“ auf der Homepage des Astronomen William Keel
Eine Webcam am Mars
Seit etwa einer Woche sind Bilder der Visual Monitoring Camera (VMC) an Bord der europäischen Raumsonde Mars Express online. Ursprünglich diente die Kamera dem Zweck, das Ablegemanöver des später verloren gegangenen Landers Beagle 2 im Bild festzuhalten. Seitdem war die Kamera abgeschaltet. Mittlerweile wurde sie wieder in Betrieb genommen und zur „ersten Webcam im Marsorbit“ deklariert.
Mars Express VMC – Die erste Webcam im Marsorbit
Präkolumbische Siedlungen im dichten Amazonas-Regenwald
Bereits vor der Ankunft der ersten Europäer gab es am Amazonas eine städtische Zivilisation: in der oberen Xingu-Region am brasilianischen Amazonas hat ein Forscherteam Spuren von Siedlungen, Straßennetzen und einer halbintensiven Landnutzung gefunden, die Anzeichen für eine gut organisierte Gesellschaft sind. Die Funde deuten auf ein hierarchisch gegliedertes Netzwerk aus Siedlungen hin, das auf ein politisches, rituelles Zentrum ausgerichtet war. Die größten dieser stadtähnlichen Siedlungen waren umgeben von einem ein bis drei Meter tiefen und fünf bis zehn Meter breiten Graben, der sich auf bis zu zwei Kilometer erstrecken konnte. Die Siedlungen wurden außerdem mit Wällen geschützt, die mit hölzernen Palisaden bestückt waren.
Amazonas-Völker bauten Städte im Urwald
‚Pristine‘ Amazonian region hosted large, urban civilization, study finds
Pre-Columbian Urbanism, Anthropogenic Landscapes, and the Future of the Amazon
Von der erfolgreichen Flucht der Fliege
US-Forscher haben eine Antwort auf die Frage gefunden, warum es so schwer ist, eine Fliege zu erschlagen: sie hat bereits ausgeklügelte Fluchtpläne für alle Eventualitäten im Kopf. So berechnet sie im Bruchteil einer Sekunde, aus welcher Richtung eine Bedrohung naht, entscheidet sich für einen Plan und bringt ihre Beine in die optimale Startposition, um in die entgegengesetzte Richtung entkommen zu können. Wie schnell das Fliegengehirn sensorische Informationen in eine angemessene motorische Reaktion umsetzen kann, zeigen Hochgeschwindigkeitsaufnahmen der Ausweichmanöver von Taufliegen, die Gwyneth Card and Michael Dickinson vom California Institute of Technology in Pasadena gemacht haben.
Fliegen planen Flucht im Voraus (mit Video)
Visually Mediated Motor Planning in the Escape Response of Drosophila
GLAST heißt jetzt Fermi
Das am 11. Juni 2008 gestartete Gamma-ray Large Area Space Telescope (GLAST) wurde nun in Fermi Gamma-ray Space Telescope umbenannt. Der Name würdigt den Wissenschaftler Enrico Fermi, der Pionierarbeit in der Hochenergiephysik leistete. Das Weltraumteleskop Fermi erforscht das Universum im Bereich der Gammastrahlung. Zusammen mit der Namensänderung veröffentlichte die NASA während ihrer gestrigen Pressekonferenz auch die erste Aufnahme von Fermi, auf welcher der gesamte Himmel im Gammalicht zu sehen ist. Das Bild entstand in einer Belichtungszeit von nur 95 Stunden. Gas und Staub in der Ebene der Milchstraße leuchten im Gammalicht, weil sie von kosmischer Strahlung durchdrungen werden. Auch der berühmte Krebsnebel mit seinem Pulsar und zwei weitere Pulsare strahlen in diesen Wellenlängen. Ein vierter heller Punkt auf dem Bild liegt etwa sieben Milliarden Lichtjahre entfernt im Sternbild Pegasus, weit außerhalb unserer Galaxis. Es handelt sich um den Blazar 3C454.3, der sich gerade in einer Phase hoher Aktivität befindet.
(Beschriftete) Himmelskarte im Gammalicht, aufgenommen von Fermi (JPEG; 3300 x 1650 Pixel; 4.2 MB)
Presseinformation des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik (PDF)
Spitzer zeigt stellaren "Stammbaum"
Sterne können in ihrer Umgebung die Entstehung weiterer Sterne anstoßen. Für die Existenz eines solchen stellaren Dominoeffekts spricht eine neue Aufnahme des Weltraumteleskops Spitzer von der Wolke W5. Gut 6.500 Lichtjahre von der Sonne entfernt im Sternbild Kassiopeia gelegen, handelt es sich um eine ausgedehnte Ansammlung von Gas und Staub, die eine Brutstätte für massereiche Sterne darstellt. Die Aufnahme zeigt mehrere heiße Gassäulen inmitten zweier großer, blasenförmiger Hohlräume. Nahe an deren Rand finden sich etwas jüngere Sterne und noch weiter außen eine zweite Generation junger Sterne. Diese Abfolge kann kaum zufällig entstanden sein, sondern zeichnet die fortschreitende Expansion der Hohlräume nach.
Spitzer Reveals Stellar „Family Tree“
