Solscape

Eisen-"Schnee" erzeugt Merkurs Magnetfeld

Außer der Erde verfügt nur der sonnennächste Planet Merkur über ein globales Magnetfeld, das die Wissenschaftler jedoch seit seiner Entdeckung vor ein Rätsel stellt. Die bisherigen Modelle können dieses schwache Magnetfeld nämlich nicht erklären. Neue Untersuchungen eines Forscherteams um die Professorin Jie Li von der University of Illinois in Urbana-Champaign deuten nun darauf hin, dass sich tief im flüssigen Inneren des sonnennächsten Planeten eine Art Eisen-„Schnee“ bildet, der langsam in Richtung Planetenkern „fällt“. In Laborexperimenten hatten die Wissenschaftler nachgestellt, wie sich ein Gemisch aus Eisen und Schwefel bei hohem Druck und hoher Temperatur verhält: im äußeren Bereich des geschmolzenen Kerns kühlt sich das Eisen-Schwefel-Gemisch langsam ab. Dabei kondensieren Eisenatome zu einer Art „Schneeflocken“ aus, die in Richtung Planetenzentrum fallen. Dadurch dass Eisen-„Schnee“ ins Zentrum fällt und leichtere, schwefelreiche Flüssigkeit nach oben steigt, entsteht ein Konvektionsstrom, der das schwache globale Magnetfeld des Planeten erzeugt.

Non-ideal liquidus curve in the Fe-S system and Mercury’s snowing core

Trojaner für die Erde

Die Erde könnte einmal mehr als einen Mond besessen haben: als vor rund 4,5 Milliarden Jahren der Mond durch die Kollision der Proto-Erde mit einem etwa marsgroßen Himmelskörper entstand, könnten sich weitere Bruchstücke an den Lagrange-Punkten L4 und L5 angesammelt haben. An diesen Orten heben sich die Anziehungskräfte von Erde und Mond auf, so dass sich dort weitere Erdtrabanten zusammen mit dem Mond synchron in einer Umlaufbahn um die Erde bewegt haben könnten.
Solar and planetary destabilization of the Earth-Moon triangular Lagrangian points

Wikipedia: Lagrange-Punkt

Wikipedia: Trojaner (Astronomie)

XMM-Newton findet vermisste Materie

Eine Brücke aus heißem Gas haben deutsche und niederländische Astronomen zwischen den beiden rund 2,3 Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxienhaufen Abell 222 und 223 entdeckt. Dieses Gas ist jene bislang vermisste Materie, die gemeinsam mit den Galaxien, Sternen und sichtbaren Gasen insgesamt etwa fünf Prozent der Materie des Universums ausmachen soll. Die Existenz dieser Gasschleier war bereits vor rund zehn Jahren vermutet worden. Mit den Galaxien als Knotenpunkten bilden diese Gasschleier ein gigantisches kosmisches Netz.
XMM-Newton discovers part of the missing matter in the Universe

ESA: XMM-Newton discovers part of missing matter in the universe

Staubring des Jupiter neu vermessen

Nicht nur der Saturn, auch der Jupiter hat einen Ring – und der ist viel größer als bisher angenommen. Das haben Forscher um Harald Krüger vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau gemeinsam mit Kollegen des Heidelberger Max-Planck-Instituts für Kernphysik und US-Kollegen um Douglas Hamilton von der University of Maryland entdeckt. Den Forschern gelang es erstmals, die um den Jupiter kreisenden Staubkörnchen zu vermessen. Sie nutzten dazu Daten der Raumsonde Galileo, die von 1995 bis 2003 durch das Jupitersystem geflogen war. Für die Bahnen, auf denen die Teilchen um den Jupiter kreisen, spielt nach den neuen Untersuchungsergebnissen der Schatten des Planeten eine größere Rolle als bisher gedacht. Auf der Tagseite werden die Staubpartikel durch die Sonneneinstrahlung positiv aufgeladen. Auf der Nachtseite dagegen tragen sie eine negative Ladung. Durch dieses komplizierte Wechselspiel wird die Bewegung der Teilchen maßgeblich bestimmt. Da elektrisch aufgeladene Staubteilchen auch bei der Geburt von Planeten eine entscheidende Rolle spielen, sind die Jupiterringe so etwas wie ein Labor, in dem bestimmte astrophysikalische Prozesse untersucht werden können.
Alle großen Planeten unseres Sonnensystems haben mehr oder weniger ausgeprägte Ringe aus Staubteilchen und Gesteinsbrocken. Während Saturns majestätische Ringe bereits in irdischen Hobby-Teleskopen sichtbar werden, sind die des Jupiter so hauchzart, dass sie selbst mit Raumsonden nur schwer zu fotografieren sind. So wurden die ersten Bilder der Jupiterringe auch erst Ende der 1970er Jahre von der Raumsonde Voyager 1 aufgenommen.
Staubige Begleiter durch Licht und Schatten

Hamilton, D.P. and H. Krüger: The sculpting of Jupiter’s gossamer rings by its shadow. Nature 453, 72-75. (PDF; 1.4 MB)

First Evidence of Jupiter Ring – Voyager 1, March 4, 1979

Jupiter Ring System – Voyager 2

Mars Express: Flussdelta in der Region Nepenthes Mensae

Tief eingeschnittene Täler auf dem Mars zählen zu den Hinweisen auf eine einstmals von Wasser geprägte Vergangenheit des Roten Planeten. Ein besonders schönes Exemplar eines solchen Tales hat die europäische Raumsonde Mars Express im Januar abgelichtet. Die gestern vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) veröffentlichten Bilder zeigen ein etwa 30 Kilometer langes und bis zu 1.000 Meter tiefes Tal nahe des Mars-Äquators in einem Übergangsgebiet zwischen dem südlichen Hochland und der nördlichen Tiefebene des Mars. Die Region namens Nepenthes Mensae ist gekennzeichnet durch steile Geländekanten und an Tafelberge erinnernde Erhebungen. Das Tal mündet in einem Delta in die angrenzende Tiefebene. Vor diesem Delta findet sich eine fächerförmige „Aufschüttung“. Ganz ähnliche „Aufschüttungen“ bilden irdische Flüsse mit dem von ihnen transportierten Schwemmmaterial. So erstreckt sich bspw. am Grund des Indischen Ozeans, vor der gemeinsamen Mündung von Ganges und Brahmaputra, ein gut 3.000 Kilometer langer Sedimentfächer.
River delta in Nepenthes Mensae

Tyrannosaurus rex – Der große Bruder des Huhns

Eine neue Analysemethode hat die Verwandtschaft zwischen Tyrannosaurus rex und heute lebenden Vögeln bestätigt. Bisher war es vor allem die Ähnlichkeit der Skelette von Vögeln und Sauriern, aus der Paläontologen eine Verwandtschaft ableiteten. Vergleiche auf genetischer Ebene sind nicht möglich, da aus den viele Millionen Jahre alten Knochen keine brauchbare DNA mehr isoliert werden kann. Forscher um Chris Organ von der Harvard-Universität in Cambridge hatten im vergangenen Jahr eine neue Methode entwickelt, mit der man Kollagen – ein einfach aufgebautes Protein aus dem Bindegewebe – aus alten Saurierknochen extrahieren kann. Ihre Vergleiche des Aufbaus der Proteine aus 68 Millionen Jahre alten Saurierknochen mit dem Aufbau von Kollagen aus insgesamt 21 heute lebenden Tieren (darunter Strauß, Huhn, Alligator und Anolis-Echse) zeigen, dass der Tyrannosaurus enger mit heutigen Vögeln als mit Reptilien verwandt ist. In einem ähnlichen Experiment verglichen die Forscher Kollagen aus heute lebenden Elefanten mit Kollagen, das sie aus den Knochen des Mastodons, einer ausgestorbenen Rüsseltierart, isoliert hatten. Damit konnten sie die bereits vermutete enge Verwandtschaft zwischen beiden Tierarten bestätigen.
Molecular Phylogenetics of Mastodon and Tyrannosaurus rex