Ein junger Stern macht FU(r)ore

Dr. Bringfried Stecklum, Wissenschaftler an der Thüringer Landessternwarte Tautenburg (TLS), hat mit dem 2-m Alfred-Jensch-Teleskop des Instituts einen jungen Stern im Sternbild Giraffe entdeckt, dessen Helligkeit innerhalb kurzer Zeit um das Dreißigfache zunahm. Der Stern gehört zur Klasse von Objekten, die nach ihren Prototypen, den veränderlichen Sternen FU im Sternbild Orion und EX im Sternbild Wolf, als FUore bzw. EXore bezeichnet werden. Von ihnen sind bisher nur etwa ein Dutzend bekannt. Das neue Mitglied weist von allen die bei weitem geringste Leuchtkraft und damit auch die kleinste Masse auf. Es konnte nur gefunden werden, weil der starke Anstieg der Helligkeit zu einer besseren Ausleuchtung der Gas- und Staubwolke führte, aus der sich der Stern bildete. Der dabei entstandene neue Nebel ist auf Archivaufnahmen aus dem Jahr 2001 noch nicht zu sehen! Der Helligkeitsanstieg vollzog sich daher innerhalb von fünf Jahren. Er weist auf eine Phase besonders intensiven Wachstums des Sterns hin.
Junge Sterne sind von einer Scheibe aus Gas und Staub umgeben. Sie wachsen, indem Materie aus der Scheibe auf sie herabfällt. Dabei wird die beim Aufprall freigesetzte Energie als Strahlung abgegeben. Die starke Helligkeitszunahme weist also auf eine Episode besonders intensiven Masseneinfalls hin. Bei EXoren kann diese Monate und Jahre andauern; bei FUoren sogar Jahrzehnte.
Die Thüringer Landessternwarte Tautenburg liegt zirka 15 Kilometer nördlich der Universitätsstadt Jena. Das astronomische Institut forscht auf den Gebieten der stellaren Astrophysik und der extragalaktischen Astronomie. Forschungsschwerpunkte sind die Suche nach extrasolaren Planeten, die Entstehung und das Sterben von Sternen, Gamma-Ray Bursts sowie die Entwicklung von Galaxien. Die Thüringer Landessternwarte Tautenburg betreibt das größte optische Teleskop Deutschlands.