Die Venuswolken in neuem Licht betrachtet

Die Wolkendecke aus ätzender Schwefelsäure, die die Venus umhüllt, gibt Forschern seit Jahrzehnten Rätsel auf. Denn bisher war unklar, welche Vorgänge in der Atmosphäre unseres Nachbarplaneten für die Gestalt der Wolken verantwortlich sind. Selbst die Höhe der Wolken über der Planetenoberfläche war unbekannt. Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung ist es nun zusammen mit einem internationalen Forscherteam gelungen, jene Vorgänge in der Atmosphäre des Planeten zu verstehen, die für die Anwesenheit und die Morphologie der Wolken verantwortlich sind. Mit Hilfe der UV-Kamera VMC und des Infrarot-Spektrometers VIRTIS an Bord der europäischen Raumsonde Venus Express konnte dargestellt werden, dass die Temperaturbedingungen und -schwankungen eine entscheidende Rolle spielen. Über den Tropen der Venus nimmt die Lufttemperatur stark mit der Höhe ab. So entstehen turbulente Aufwinde, die die Wolken zerreißen und Schwebeteilchen nach oben wirbeln. In den mittleren Breiten sieht das völlig anders aus: der Temperaturverlauf ist dort umgekehrt. Dies erzeugt in diesen Breiten einen riesigen Kranz aus kalter Luft, der den Planeten umkreist. Luft und Schwebeteilchen können deshalb nicht in der Atmosphäre aufsteigen, so dass die UV-Aufnahmen dort auch einen hellen, kontrastlosen Nebel zeigen. Aus den neuen Daten von Venus Express lässt sich zudem die genaue Höhe der Wolken über der Südhalbkugel ablesen. Trotz der unterschiedlichen Bedingungen befinden sie sich sowohl in der Nähe des Äquators als auch bei mittleren Breiten 72 Kilometer über der Oberfläche. Erst zum Südpol hin nimmt dieser Wert auf etwa 64 Kilometer ab. Hier bilden die Wolken einen gewaltigen Wirbel.
Venus comes to life at wavelengths invisible to human eyes