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Archiv für Umwelt & Klima

Muschelkrebse belegen warme Vergangenheit der Antarktis

Der Fund von besonders gut erhaltenen Süßwasser-Muschelkrebsen liefert erneut Hinweise darauf, dass es in der Antarktis früher sehr viel wärmer gewesen ist als heute. Ein internationales Forscherteam entdeckte die Fossilien bei einer Expedition in die Trockentäler der Ostantarktis. Hier fanden sich ungewöhnlich gut erhaltene Relikte von Muschelkrebsen aus einem ehemaligen Süßwasser-See. Die Kälte des Untergrunds hat die von zwei Schalen geschützten Krebstiere so gut konserviert, dass auch ihre Weichteile in bestem Zustand erhalten wurden. Die jetzigen Bedingungen in der Antarktis beinhalten Jahresdurchschnittstemperaturen von minus 25 Grad Celsius und lassen eine Seefauna mit Muschelkrebsen nicht zu. Nach Ansicht der Wissenschaftler belegt der Fund daher, dass es eine sehr intensive Abkühlung des antarktischen Klimas von Tundra-ähnlichen Bedingungen hin zu dem extrem kalten Kontinentalklima von heute erst nach der Lebenszeit dieser Krebse gegeben haben muss, deren Alter inzwischen auf 14 Millionen Jahre datiert worden ist.
Unique fossil discovery shows Antarctic was once much warmer

Paleoecological and Stratigraphic Studies on the Beardmore Glacier, Antarctica

Wilkins-Eisschelf hängt am eisigen Faden

Der Erdbeobachtungssatellit Envisat hat zwischen dem 30. Mai und dem 9. Juli Aufnahmen des Wilkins-Eisschelfs in der Antarktis gemacht und dabei beobachtet, wie sich die große Eisfläche innerhalb weniger Tage fast vollständig vom Festland löste.
Wilkins Ice Shelf hanging by its last thread

Zentrum für Fernerkundung der Landoberfläche, Uni Bonn

Neue NASA-Webseite widmet sich dem Klimawandel

Eine neue Webseite des der NASA angeschlossenen Jet Propulsion Laboratory in Pasadena/Kalifornien soll die Öffentlichkeit über die Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels aufklären:
JPL – Global Climate Change

Wilkins-Schelfeis vor dem Kollaps

Das Wilkins-Schelfeis in der Antarktis zerbricht weiter. Nach einer zweimonatigen Ruhepause hat eine erneute Abbruchphase begonnen, die noch immer andauert. Der ehemals rund 15 Kilometer breite Eissteg zwischen den beiden Inseln Charcot und Latady, die etwa 1.000 Kilometer vor der Südspitze Südamerikas liegen, ist seit dem erneuten Eisabbruch nur noch knapp drei Kilometer breit. Satellitenaufnahmen zeigen auf der verbliebenen Eisbrücke einen bogenförmigen Riss – die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Steg in den nächsten Tagen komplett zerbricht, ist sehr hoch. Die Folgen für die Stabilität des übrigen Schelfeises sind nicht abzusehen.
Even the Antarctic winter cannot protect Wilkins Ice Shelf

Siehe auch:
Solscape – Gewaltiger Eisabbruch im antarktischen Schelfeis

Blühende Korallenriffe im ehemaligen Atomtestgelände

Die Riff-Ökosysteme rund um das Bikini-Atoll befinden sich wieder in einem erstaunlich guten Zustand, obwohl dort vor rund 50 Jahren insgesamt 67 Atombomben gezündet worden waren. Selbst im Krater, den die starke Wasserstoffbomben-Explosion des Tests “Bravo” hinterlassen hatte, entdeckten die Forscher um Zoe Richards von der James Cook University im australischen Townsville zahlreiche Fische und Korallen, deren Artengemeinschaft sich nur wenig von normalen Riffen unterschied. Verglichen mit einer Studie, die vor der Einrichtung des Testgeländes durchgeführt wurde, fehlten allerdings mindestens 42 Korallenarten: sie hielten den Explosionen, der erhöhten Radioaktivität und der Belastung durch aufgewirbelte Sedimente nicht stand. Die Erholung der Riffgemeinschaften wurde durch Meeresströmungen begünstigt, die für einen starken Wasseraustausch sorgten, so dass die radioaktive Belastung im Ozean wieder sehr niedrig ist. Auch an Land liegt die Hintergrundstrahlung nicht höher als in australischen Großstädten, so die ebenfalls an der Studie beteiligte Maria Beger. Pflanzen jedoch reichern strahlende Elemente in ihrem Gewebe an und erreichen immer noch so hohe Strahlungswerte, dass die Wiederbesiedelung von Bikini und die der benachbarten Atolle auch zukünftig unmöglich sein wird. Ironischerweise war die damalige Evakuierung der Bevölkerung für das Überleben der Riffe ebenfalls von Vorteil, denn Fischfang oder Abbau der Riffe für Baumaterial fand rund um den Archipel nun nicht mehr statt. Angrenzende, nicht unmittelbar von den Tests betroffene Bestände blieben deshalb über Jahrzehnte ungestört und lieferten ausreichend Polypen, um neue Korallengärten zu gründen.
Bikini corals recover from atomic blast

Bikini Atoll coral biodiversity resilience five decades after nuclear testing

Kälteeinbruch am Ende der letzten Eiszeit genau datiert

Das Ende der letzten Eiszeit war eine chaotische Zeit, die Temperaturen fuhren Achterbahn. Als das Tauwetter schon eingesetzt hatte, kam die Kälte noch einmal zurück und hielt Europa und Nordamerika für einige Jahrhunderte in ihrem Bann. Wann die Kältewelle, bekannt unter dem Namen “Jüngere Dryas”, genau begann und wie lange sie dauerte, ließ sich bislang nicht feststellen. Unterschiedliche Klimaarchive lieferten widersprüchliche Ergebnisse. Einem Team um Raimund Muscheler von der Lund Universität in Schweden ist es jetzt gelungen, zwei wichtige Klimaarchive, den Baumring-Kalender der Universität Hohenheim und den Eis-Kalender aus Grönland, zeitlich in Einklang zu bringen und damit die Abläufe nach dem Ende der Eiszeit aufzuklären. Die “Jüngere Dryas” begann demnach vor 12.800 Jahren und dauerte insgesamt 1.300 Jahre.
Tree rings and ice cores reveal 14C calibration uncertainties during the Younger Dryas

Gewaltiger Eisabbruch im antarktischen Schelfeis

Ein riesiger Eisberg hat sich aus dem Schelfeis der West-Antarktis gelöst. Ursache dafür ist nach Angaben von Wissenschaftlern die zunehmende Erwärmung des Polarmeeres und damit verbunden Schmelzprozesse an der Eisunterseite. Sie erzeugen Auftriebskräfte, die Spannungen in der Eisschicht auslösen. Die Bruchzone ist für die künftige Stabilität des Wilkins-Schelfeises von zentraler Bedeutung.
Antarctic ice shelf ‘hangs by a thread’

Antarctic Ice Shelf Disintegration Underscores a Warming World

Disintegration: Antarctic Warming Claims Another Ice Shelf

KMZ-Datei für Google Earth

State of the Cryosphere: Ice Shelves

Europäische CO2-Sünder enttarnt

Umweltforschern der Universität Bremen ist es erstmals gelungen, mittels Satellitenmessungen erhöhte regionale Konzentrationen des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid (CO2) nachzuweisen, die vom Menschen verursacht wurden. Die Forscher verwendeten dazu Daten des vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gebauten Instrumentes SCIAMACHY (Scanning Imaging Absorption Spectrometer for Atmospheric Chartography) auf dem von der ESA betriebenen Umweltsatelliten ENVISAT. Demnach befinden sich die höchsten Konzentrationen des Treibhausgases CO2 über Europas Hauptballungsgebiet, welches sich von Amsterdam bis Frankfurt erstreckt.

Sonderseite der Uni Bremen

Envisat makes first ever observation of regionally elevated CO2 from manmade emissions

Massive Vereisung in der warmen Kreidezeit?

Eine massive Vereisung könnte es ausgerechnet während einer der wärmsten Perioden der Erdgeschichte gegeben haben: in der Kreidezeit vor 91 Millionen Jahren. Davon sind Geowissenschaftler der Universität Leipzig überzeugt. Zusammen mit Kollegen aus England, den Niederlanden und den USA untersuchten sie kreidezeitliche Tiefseesedimente aus dem westlichen tropischen Atlantischen Ozean. Diese enthalten kalkschalige Mikrofossilien, sog. Foraminiferen. Aus der Analyse der Fossilien schließen die Forscher, dass es für etwa 200.000 Jahre einen Eisschild von 50 bis 60 Prozent des heutigen antarktischen Eisschildes gegeben haben muss. Im tropischen Kreideozean soll der Meeresspiegel dadurch um bis zu 40 Meter gefallen sein. Offen sei allerdings noch, wo sich solch große Eismassen gebildet haben könnten. Die wahrscheinlichste Region sei die Antarktis, so die Forscher.
Bornemann et al.: Isotopic Evidence for Glaciation During the Cretaceous Supergreenhouse

Ewiges Eis trotz Hitze

Klimawandel bringt keinen Stillstand im Nordatlantik

Die obere Wasserschicht des Nordatlantik ist innerhalb der letzten 50 Jahre salziger geworden. Daraus leiten amerikanische Forscher ab, dass die Oberflächenströmung, welche warmes Wasser nach Europa befördert, trotz globaler Erwärmung stabil bleiben wird. Frühere Studien hatten befürchten lassen, der Klimawandel könne das sog. globale Förderband der Ozeane verlangsamen oder gar stillstehen lassen.

Changes in freshwater content in the North Atlantic Ocean 1955–2006

Wikipedia: Thermohaline Zirkulation