Archiv für die Kategorie „Mars“
Mars Express: Vorbeiflüge an Phobos
Heute begann für die europäische Raumsonde Mars Express eine Serie von Vorbeiflügen am Marsmond Phobos, die am 3. März ihren Höhepunkt erreichen werden, wenn die Sonde die Oberfläche des Mondes in nur 50 km Höhe überfliegen und damit einen neuen Rekord für die größte Annäherung an Phobos aufstellen wird.
Die Fotos und Daten von Mars Express könnten dabei helfen, den Ursprung des Marsmondes zu enträtseln.
Phobos ist der innere und größere der beiden “kartoffelförmigen” Marsmonde. Seine spezifische Dichte ist deutlich niedriger als die mittlere Dichte des Marsgesteins. Vergleichbare Dichten sind nur von einigen Asteroiden bekannt. Die auffälligste Erscheinung auf Phobos ist ein riesiger Krater namens Stickney. Wie im Falle des Kraters Herschel auf dem Saturnmond Mimas muss auch der Einschlag, der Stickney hervorbrachte, Phobos fast zerstört haben.
Alte und junge Einschlagkrater in der Region Sirenum Fossae

Blick von Nordosten nach Südwesten
über das Hochland von Sirenum Fossae.
(ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum))
Sirenum Fossae ist ein mehr als zweieinhalb Tausend Kilometer langes System von Brüchen in der Marskruste, das im Südwesten der Vulkanregion Tharsis liegt. In diesem Gebiet befinden sich die größten Vulkane auf dem Mars, so auch der 24 Kilometer hohe Olympus Mons. Durch die mehr als vier Kilometer hohe Aufwölbung von Tharsis kam es zu Spannungen in der Marskruste, was sich an zahllosen Dehnungsbrüchen ablesen lässt. Auch das Bruchsystem Sirenum Fossae ist im Zusammenhang mit der Aufwölbung der Vulkanprovinz Tharsis entstanden. Durch die Förderung großer Mengen von Magma an die Oberfläche entstanden zum einen die größten Vulkane des Sonnensystems – neben dem Olympus Mons auch die drei anderen Tharsis-Vulkane Arsia, Pavonis und Ascraeus Mons. Bei der Bildung der Vulkane ergossen sich große Mengen an dünnflüssiger Lava über die Marsoberfläche, die zu ausgedehnten, mächtigen Lavadecken erstarrten. Durch das Gewicht der vulkanischen Gesteine entstanden Spannungen innerhalb der Kruste, die sich in Bruchsystemen abbauten, die in der Regel radial zur Tharsis-Region verlaufen.
Am 6. Februar 2009 nahm die hochauflösende Stereokamera (HRSC) an Bord der europäischen Raumsonde Mars Express einen Teil der Region Sirenum Fossae nördlich des Kraters Magelhaens auf. Die Bilder haben eine Auflösung von etwa 29 Metern pro Bildpunkt (Pixel). Das abgebildete Gebiet bedeckt mit einer Ausdehnung von ca. 230 mal 127 Kilometer eine Fläche von rund 29.450 Quadratkilometer; das entspricht etwa der Größe Belgiens.
Deutlich sind in den Bildern zahlreiche, teilweise bis zu 50 Kilometer große Einschlagkrater zu erkennen. Krater dieser Größe entstehen heute nur noch selten, weil die Anzahl der Asteroiden, deren Bahnen sich mit den Umlaufbahnen der Planeten des inneren Sonnensystems kreuzen, im Laufe der Zeit stark abgenommen hat. Die Größe der Krater, aber auch die deutlichen Spuren intensiver Verwitterung, lassen erkennen, dass es sich bei diesem Teil von Sirenum Fossae um eine sehr alte Struktur handelt.
Mars Webcam: Der Schatten des Marsmondes Phobos
Die Visual Monitoring Camera (VMC) an Bord der europäischen Raumsonde Mars Express hat erstmals den über die Marsoberfläche ziehenden Schatten des Marsmondes Phobos aufgenommen:
HiRISE macht eure Wünsche wahr
Für die hochauflösende Kamera “HiRISE” an Bord des Mars Reconnaissance Orbiter gibt es jetzt ein Online-Tool namens “HiWish”, das es jedem ermöglicht, einen bestimmten Ort auf dem Mars auszuwählen, den die Kamera mit einer Auflösung von bis zu 30 cm pro Bildpunkt fotografieren soll. Dazu kann man über das auf der HiWish-Seite eingebundene Google Maps-Tool oder anhand der bereits vorhandenen Datensätze nach einer geeigneten Stelle suchen und sie dem für die Kamera zuständigen Forscherteam vorschlagen. Sobald ein Vorschlag angenommen ist, wird man benachrichtigt und kann das Prozedere bis hin zum fertigen Bild online verfolgen. Die ausgewählte Stelle auf dem Mars sollte aber schon z.B. eine Region mit wissenschaftlicher Relevanz sein. Es geht also nicht einfach darum, ein tolles Hintergrundbild für den Desktop zu bekommen.
In jedem steckt ein Marsforscher
Vielleicht hat die NASA längst ein Marsmännchen fotografiert und weiß es nur noch nicht.
Ständig schweben Raumsonden in der Umlaufbahn des Roten Planeten. Hunderttausende Fotos haben sie schon von der Oberfläche geschossen, und täglich liefern sie neue. Doch die Forscher der US-Raumfahrtbehörde kommen mit der Auswertung der Bilder nicht mehr nach.
Deshalb hat die NASA jetzt eine Webseite ins Leben gerufen, auf der jeder bei der Erforschung des Mars mitmachen kann. Auf der Seite können die Besucher die schroffen Schluchten und staubigen Ebenen des Planeten entdecken. Per Mausklick zählen sie die vielen Krater, die auf den Fotos der Orbiter erkennbar sind, oder vergleichen die unterschiedlichen Landschaften miteinander. Eine Videoeinführung zeigt, worauf man achten muss. Die Ergebnisse der Arbeit der Seitenbesucher werden gespeichert. Sie sollen den NASA-Experten helfen, die Planetenoberfläche besser zu verstehen: Wo floss einmal Lava? Wo gab es Überschwemmungen? Wo könnten Lebensformen existiert haben?
Die Idee hinter der Webseite ist nicht neu. Vor zwei Jahren starteten die Universitäten von Oxford und Portsmouth sowie die Johns Hopkins University in Baltimore das Projekt Galaxy Zoo, bei dem die Teilnehmer Fotos von mehr als einer Million Galaxien sortieren sollen. Eine niederländische Physiklehrerin entdeckte dabei ein neues kosmisches Objekt. Und auch die NASA selbst hat Erfahrung damit, die Bürger an Forschungsprojekten zu beteiligen: im Jahr 2006 rief sie dazu auf, mikroskopische Aufnahmen von Sternenstaub zu untersuchen, der von der Sonde Stardust eingesammelt und per Landekapsel zur Erde gebracht worden war.
Jetzt soll die Öffentlichkeit also den erdähnlichsten Planeten des Sonnensystems erforschen. Und damit möglichst viele junge Weltraumfans mitmachen, ist die neue Webseite aufgemacht wie ein Computerspiel – mit Spielfiguren und Bonuspunkten. Und man kann natürlich per Mail Kontakt zur NASA aufnehmen. Zum Beispiel, wenn man auf den Fotos ein winkendes grünes Männchen entdeckt hat.
Phobos und Deimos gemeinsam auf einem Bild

Die beiden Marsmonde Phobos (rechts) und Deimos
erstmals gemeinsam und in hoher Auflösung im Bild.
(ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum)/astroarts.org)
Zum Vergrößern das Bild anklicken.
Am 5. November 2009 gelangen der europäischen Raumsonde Mars Express zum ersten Mal Aufnahmen, auf denen die beiden Marsmonde Phobos und Deimos gemeinsam und in hoher Auflösung zu sehen sind.
Zum Zeitpunkt der Aufnahmen war Phobos, der größere der beiden Marsmonde, etwa 11.800 Kilometer von Mars Express entfernt; Deimos befand sich zur gleichen Zeit in 26.200 Kilometern Entfernung von der Raumsonde.
Die Bildauflösung für Phobos beträgt etwa 110 Meter pro Bildpunkt; bei dem mehr als doppelt so weit entfernten Deimos etwa 240 Meter pro Bildpunkt.
Mars Express: Die Störungszone Sacra Fossae

Blick von Nordosten über Sacra Fossae und die Kasei-Täler.
(ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum))
Kasei Valles ist eines der größten Ausflusstäler auf dem Mars. Es hat seinen Ursprung im südlichen Hochland und erstreckt sich über etwa dreitausend Kilometer vom Echus Chasma bis zum Becken Chryse Planitia in der nördlichen Tiefebene des Mars. Vor vielen Millionen Jahren strömte Wasser durch die Kasei-Täler.
Sacra Fossae ist eine mehr als tausend Kilometer lange und einige hundert Meter tiefe sog. Störungszone, die eine Grenze zwischen dem Kasei-Talsystem im Süden und Osten sowie der Hochebene Lunae Planum bildet. Durch Spannungen in der Marskruste wurde die Oberfläche tektonisch derart beansprucht, dass sich hier ein “chaotisch” anmutendes Muster sich kreuzender Gräben bildete.
Die hochauflösende Stereokamera HRSC an Bord der europäischen Raumsonde Mars Express nahm einen Teil von Kasei Valles und Sacra Fossae auf. Die abgebildete Region ist 225 Kilometer mal 95 Kilometer groß und bedeckt damit eine Fläche von etwas mehr als 21.000 Quadratkilometern. Das entspricht etwa der Größe des Bundeslandes Hessen.
Im Norden des Gebietes (hier rechts im Bild) ist ein alter, etwa 35 Kilometer großer Einschlagkrater zu erkennen. Sein südwestlicher Kraterrand ist stark erodiert, an manchen Stellen ist er sogar vollständig abgetragen worden. Diese Erosion ist unter anderem auf die Einwirkung von Wasser zurückzuführen.
Frostbedeckte Landesonde “Phoenix”
Neue Bilder der HiRISE-Kamera an Bord des Mars Reconnaissance Orbiter zeigen die Landesonde “Phoenix” eingehüllt in Trockeneisfrost:
HiRISE – Phoenix Lander in Winter
Lavaströme des Vulkans Arsia Mons in Daedalia Planum

Zwei Ströme erkalteter Lava in Daedalia Planum,
die ihren Ursprung an der Südostflanke
des 14 km hohen Marsvulkans Arsia Mons haben.
Norden ist rechts.
(ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum))
Zum Vergrößern das Bild anklicken.
In der Tharsis-Region auf dem Mars finden sich vier der höchsten Vulkane im Sonnensystem. Neben dem 26 Kilometer hohen Olympus Mons im Nordwesten der Region sind auch die drei Vulkane Ascraeus, Pavonis und Arsia Mons wahre Giganten, deren Gipfel Höhen von bis zu 20 Kilometer erreichen. Südöstlich des südlichsten dieser drei Tharsis-Vulkane, dem 14 Kilometer hohen Arsia Mons, befindet sich Daedalia Planum, eine Ebene mit relativ wenigen Einschlagkratern und zahlreichen, erkalteten Lavaströmen unterschiedlichen Alters.
Das hier vorgestellte Bild, aufgenommen am 25. Dezember 2008 mit der HRSC (High Resolution Stereo Camera) an Bord der europäischen Raumsonde Mars Express, zeigt einen Ausschnitt von Daedalia Planum mit einer Ausdehnung von ca. 150 mal 75 Kilometern. Die gezeigte Region ist damit in etwa so groß wie die Karibikinsel Jamaika. Hier sind zwei Ströme erkalteter Lava zu erkennen, die ihren Ursprung an der Südflanke des Vulkans Arsia Mons haben, der sich nordwestlich – außerhalb des Bildausschnittes – befindet.
Steve Squyres mit Carl-Sagan-Medaille geehrt
Steve Squyres von der Cornell University in Ithaca, New York, ist leitender Forscher für die Mission der beiden Marsrover Spirit und Opportunity. Für seine überragende Öffentlichkeitsarbeit wurde er jetzt von der American Astronomical Society mit der Carl-Sagan-Medaille 2009 ausgezeichnet.
Squyres wins Carl Sagan Medal for public outreach
Carl Sagan Medal for Excellence in Public Communication in Planetary Science