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Archiv für Forschung & Technik

Evolution: Einfluss zufälliger Mutationen bestimmt

In der Evolution herrscht der Zufall: Einzelne, zufällig auftretende Mutationen, die zunächst nur wenige Exemplare einer Art betreffen, können nach und nach eine gesamte Population verändern und maßgeblich prägen. Bisher konnten Wissenschaftler den entscheidenden Einfluss solch seltener Mutationen jedoch nicht präzise mathematisch beschreiben – und somit keine exakten Vorhersagen für die Evolutionsgeschwindigkeit treffen.
Dem Physiker Oskar Hallatschek vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen ist es nun erstmals gelungen, dieses Problem zu lösen.
Die neue Herangehensweise lässt sich dabei nicht nur auf Evolutionsvorgänge anwenden. Auch für das Verständnis der Geschwindigkeit chemischer Reaktionen und der Ausbreitung von Krankheitserregern bietet die Methode neue Impulse.

Weiter in der Pressemeldung der Max-Planck-Gesellschaft:

Wie schnell ist die Evolution?

Erste Ergebnisse der Ballonmission SUNRISE

Die kleinsten Bausteine des Sonnenmagnetfeldes haben Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) erstmals sichtbar gemacht und charakterisiert. Die Magnetfeldstärke in diesen winzigen, nur einige hundert Kilometer großen Bereichen übertrifft die Stärke des Erdmagnetfeldes etwa um das 3000-fache. Forscher des MPS, des Kiepenheuer-Instituts für Sonnenphysik und weiterer Partnereinrichtungen werteten Messungen aus, die ihnen im vergangenen Jahr mit Hilfe des Sonnenobservatoriums “SUNRISE” gelungen waren. Kein anderes Sonnenteleskop konnte die genauen Eigenschaften dieser Strukturen bisher untersuchen. Diese und weitere erste Ergebnisse der Mission “SUNRISE” würdigt die Fachzeitschrift “The Astrophysical Journal” jetzt in einer Sonderausgabe mit zwölf Beiträgen des SUNRISE-Teams.

Weiter in der Pressemeldung der Max-Planck-Gesellschaft:

SUNRISE enthüllt magnetische Grundbausteine der Sonne

Siehe auch:

Sunrise – A balloon-borne solar telescope

Sunrise Science-Blog – Internet-Tagebuch zur Sunrise-Mission

Solscape: Erfolgreicher Start von SUNRISE

Solscape: SUNRISE in Nordkanada gelandet

400fache Datendichte auf Speichermedien möglich

Mit einer neuen Speichertechnik lassen sich Daten künftig möglicherweise 400 Mal dichter packen als bislang. Erstmals ist es einem Forscherteam gelungen, Informationen auf der Nanometerskala in magnetischer Form mit Hilfe eines elektrischen Feldes zu schreiben, zu lesen und zu speichern. Das Projekt kombiniert theoretische Untersuchungen an Großrechnern in Jülich und Garching, die Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Mikrostrukturphysik und der Universität Halle vorgenommen haben, sowie moderne Tieftemperatur-Rastertunnelmikroskopie am KIT in Karlsruhe.

Weiter in der Pressemeldung der Max-Planck-Gesellschaft:

Magnetische Datenspeicherung mit elektrischen Feldern

Siehe auch:

Uni Halle: Wissenschaftler erforschen neuartige Art der Datenspeicherung

KIT: Durchbruch in der Datenspeicherung

Chorwellen erzeugen pulsierende Aurora

Ein Polarlicht, auch Aurora genannt, entsteht, wenn der Sonnenwind das Magnetfeld der Erde erreicht. Der Sonnenwind bringt Elektronen mit sich, die zum Teil bis in die oberen Atmosphärenschichten unseres Planeten eindringen. Wenn sie dort auf Luftmoleküle treffen, ändert sich die Elektronenkonfiguration der Luftmoleküle – sie gewinnen überschüssige Energie. Um ihren ursprünglichen Zustand wieder zu erlangen, stoßen sie die Elektronen wieder ab und emittieren dabei Energie in Form von Licht. Dieses Licht bildet die unterschiedlichen Formen der Polarlichter.
Eine dieser Formen ist die sog. pulsierende Aurora. Sie besteht aus einzelnen Lichtflecken, die nicht kontinuierlich am nächtlichen Himmel strahlen, sondern wie ein Blinklicht an- und ausgehen. Die Lichtflecken blinken zudem nicht harmonisch: jeder Fleck scheint selbst zu entscheiden, wann er leuchtet und wann nicht. Und zu guter Letzt schwankt auch noch der Blinkrhythmus: die Lichter leuchten zwischen fünf und 40 Sekunden lang.
Aufgrund der Komplexität der Erscheinung war lange nicht klar, wodurch die Blinklichter gesteuert werden. Eine Forschergruppe um Yukitoshi Nishimura vom UCLA Department of Atmospheric and Oceanic Sciences in Los Angeles hat nun den Antrieb der rhythmischen Lichtspiele gefunden. Die Wissenschaftler verwendeten dazu das bodengestützte All-Sky Imager (ASI) Array sowie einen Satelliten zur Beobachtung des Weltraumwetters – beides Bestandteile der THEMIS-Mission der NASA. Dabei entdeckten sie vom Boden aus, dass die Blinkfrequenz mit der Frequenz einer elektromagnetischen Strahlung aus der Magnetosphäre der Erde übereinstimmt, der sog. Chorwelle. Diese Welle ist eine von vier natürlichen Radiowellen aus der Magnetosphäre. Macht man die Chorwelle über einen Lautsprecher hörbar, klingt sie wie vielstimmiges Vogelgezwitscher.
Die Chorwelle entsteht durch die im Sonnenwind enthaltenen Elektronen. Sie kann auch dafür sorgen, dass bestimmte Elektronen, die nicht an der Wellenbildung beteiligt sind, weiter in Richtung Erdatmosphäre fallen. Angeregt durch die Chorwelle werden diese Elektronen an verschiedenen Stellen in einzelnen Schüben Richtung Atmosphäre geschleudert. Je intensiver die Chorwelle in einem bestimmten Bereich aktiv ist, desto heftiger ist der Schub und desto stärker und länger leuchtet der entsprechende Bereich der pulsierenden Aurora.

Identifying the Driver of Pulsating Aurora

Scattering by chorus waves as the dominant cause of diffuse auroral precipitation

New space research settles years of scientific debate

Neue Methode zur Bestimmung von Planetenmassen im Sonnensystem

Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von David Champion vom Bonner Max-Planck-Institut für Radioastronomie hat eine neue Methode erarbeitet, um Planeten im Sonnensystem zu wiegen und ihre Masse über die Auswertung der Radiosignale von Pulsaren zu bestimmen. Radiodaten von insgesamt vier Pulsaren sind dazu verwendet worden, die Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn inklusive ihrer Monde und Ringsysteme zu wiegen. Das neue Messverfahren ist auf 0,03 Promille der Erdmasse oder ein Zehnmillionstel der Masse von Jupiter genau (das entspricht freilich einer Gesamtmasse von 200 Billiarden oder 2 x 10^17 Tonnen). Die Ergebnisse sind in einem Artikel für die Fachzeitschrift “Astrophysical Journal” beschrieben. Der Artikel kann hier abgerufen werden.

Weiter in der Pressemeldung des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie:
Planeten wiegen – von Merkur bis Saturn

Venus Climate Orbiter "Akatsuki" erfolgreich gestartet

Die japanische Weltraumbehörde JAXA hat gestern um 23:58 Uhr MESZ erfolgreich ihre Raumsonde “Akatsuki” gestartet. Der ursprünglich für den 17. Mai geplante Start vom südjapanischen Weltraumbahnhof Tanegashima musste wegen schlechten Wetters verschoben werden.
“Akatsuki” soll den Planeten Venus im Dezember erreichen, dort in einen ovalen Orbit mit einem Abstand zwischen 300 und 80.000 Kilometern einschwenken und zwei Jahre lang die Atmosphäre der Venus erkunden.
Zusammen mit “Akatsuki” wurde das mit einem Solarsegel versehene Raumschiff “Ikaros” (die Abkürzung für “Interplanetary Kite-craft Accelerated by Radiation Of the Sun”) ins All geschickt. Das einem Winddrachen ähnelnde Sonnensegel hat einen Durchmesser von 20 Metern und ist lediglich 0,0075 Millimeter dünn. Es besteht aus Polyimidharz und wird von Dünnfilm-Solarzellen sowie dem Druck der Sonnenpartikel angetrieben.

JAXA – Venus Climate Orbiter “AKATSUKI”

JAXA – Small Solar Power Sail Demonstrator “IKAROS”

YouTube – Launch H-IIA – Akatsuki – Venus Climate Orbiter

Erste Bilder des Solar Dynamics Observatory

SDO-Aufnahme der Sonne
in mehreren Wellenlängen des extremen Ultraviolett.
Die Falschfarben geben die unterschiedlichen Temperaturen
des Gases wieder.
Rot steht für relativ kühle Regionen (ca. 60.000 Kelvin),
Blau- und Grüntöne stehen für heißere Regionen
(über 1 Million Kelvin).
(NASA/Goddard/SDO AIA Team/astroarts.org)
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Am 11. Februar 2010 war das Solar Dynamics Observatory (SDO) zu seiner Mission gestartet. Die Aufgabe des weltraumgestützten Sonnenobservatoriums der NASA: im Laufe von fünf Jahren neue Erkenntnisse über das Magnetfeld der Sonne und die mit ihm verbundenen Prozesse zu liefern sowie die Wechselwirkung der Sonne mit der irdischen Atmosphäre und dem irdischen Klima näher zu untersuchen.
Nach einigen Wochen der Kalibrierung ist SDO nun voll funktionsbereit und hat sensationelle erste Bilder zur Erde geschickt.

NASA – NASA’s New Eye on the Sun Delivers Stunning First Images

NASA – SDO First Light Briefing

Scientific Visualization Studio: Gallery of Animations – SDO First Light

CfA Press Room – NASA’s New Eye on the Sun Delivers Stunning First Images

SDO – Solar Dynamics Observatory

YouTube-Kanal von SDOmission2009

YouTube – The Sun performs for SDO


YouTube – SDO Observes Massive Eruption, Scorching Rain


YouTube – NASA SDO First Light: A rare view – Earth eclipsing the Sun

Neues Infrarot-Instrument für das Large Binocular Telescope

Zehn Jahre haben deutsche, amerikanische und italienische Astronomen entwickelt, gebaut und getestet – jetzt ist LUCIFER 1 fertiggestellt. Das erste von zwei innovativen Instrumenten, jedes eine Kamera für Bilder und Spektren, hat seinen Betrieb am Large Binocular Telescope (LBT) auf dem Mount Graham in Arizona aufgenommen. Mit LUCIFER 1 wollen die Forscher tiefe Einblicke in das Universum gewinnen – von unserer Milchstraße bis hin zu den fernsten Galaxien. Das Gerät wurde von einem Konsortium deutscher Institute gebaut. Sein Zwilling soll Anfang 2011 zum Einsatz kommen.

Weiter in der Pressemeldung der Max-Planck-Gesellschaft:
Das Unsichtbare sichtbar machen

Cerro Armazones wird Standort des größten Teleskops der Welt

3D-Visualisierung des Extremely Large Telescope (E-ELT).
(ESO)
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Die Delegierten der 14 Mitgliedsländer der Europäischen Südsternwarte (ESO) haben heute den Cerro Armazones als Standort für das geplante European Extremely Large Telescope (E-ELT) ausgewählt. Der Cerro Armazones ist ein 3.060 Meter hoher Berg in der chilenischen Atacamawüste, rund 130 Kilometer südlich der Stadt Antofagasta. Der vorgesehene Standort ist nur 20 Kilometer vom Cerro Paranal entfernt, wo sich das Very Large Telescope (VLT) der ESO befindet. Auf dem Cerro Armazones betreibt das Astronomische Institut der Ruhr-Universität Bochum derzeit eine kleine Sternwarte.
Das E-ELT ist als optisches und Infrarotteleskop mit einem Hauptspiegeldurchmesser von 42 Metern angelegt. Das Design für das Teleskop hat die ESO gemeinsam mit einer Vielzahl forschender Astronomen entwickelt. Das E-ELT soll im Jahr 2018 seinen wissenschaftlichen Beobachtungsbetrieb aufnehmen.

E-ELT Site Chosen – World’s Biggest Telescope to be Located on Armazones, Chile

Ruhr-Universität Bochum bekommt eigene Universitätssternwarte

Physiker erzeugen Element 117

Mit dem Schwerionenbeschleuniger am Flerov Laboratory of Nuclear Reactions in Dubna ist es einem russisch-amerikanischen Forscherteam gelungen, das superschwere Element 117 zu erzeugen. Die Atomkerne dieses sehr instabilen Elements sind rund 40 Prozent schwerer als Blei.
Trotz seiner kurzen Lebensdauer hält Element 117 deutlich länger durch als viele im Periodensystem vor ihm stehende leichtere Elemente. Diese Tatsache bestätigt die seit längerem bestehende Theorie, wonach es in diesem Bereich der Atomgewichte eine Art “Insel der Stabilität” gibt.
Seit 1940 haben Wissenschaftler insgesamt 26 Elemente jenseits des Urans künstlich hergestellt. Die meisten davon sind nach den Standorten der Kernforschungszentren oder nach berühmten Wissenschaftlern benannt – zuletzt das von Darmstädter Forschern erzeugte Copernicium mit der Ordnungszahl 112.
Da das Element 118 bereits im Jahr 2002 erstmals nachgewiesen worden war, ist mit Element 117 nun die unterste Reihe des Periodensystems vollständig gefüllt.

Flerov Laboratory of Nuclear Reactions, Dubna

Welt der Physik: Suche nach der Insel der Stabilität