“Houston, hier Tranquillity Base, der Adler ist gelandet!”
Es war der erste Mensch auf dem Mond, Neil Armstrong, der mit diesen Worten eines der meistbeachteten Ereignisse des 20. Jahrhunderts kommentierte. Am 20. Juli 1969 setzte die amerikanische Mondlandefähre “Eagle” (Adler) auf der Mondoberfläche auf.
Für das amerikanische Apollo-Programm bedeutete die Mondlandung, dass die Arbeit eines Jahrzehnts endlich zum Ziel geführt hatte. Der eigentliche Startschuss für die Mondmission war bereits am 25. Mai 1961 gefallen, als der amerikanische Präsident John F. Kennedy verkündete: “Ich denke, dass unsere Nation sich das Ziel setzen sollte, noch vor Ablauf dieses Jahrzehnts einen Menschen sicher zum Mond und wieder zurück zu bringen.”
Das Unternehmen “Mondlandung” begann am 16. Juli 1969, als die riesige Saturn-V-Rakete von der Startrampe 39A des Kennedy Space Center in Florida abhob. Die gesamte Mission von Apollo 11 dauerte nicht länger als acht Tage, drei Stunden und 18 Minuten – doch dass es soweit kommen konnte, dafür war die jahrelange Arbeit von tausenden von Ingenieuren, Technikern und Wissenschaftlern sowie ein finanzieller Aufwand in Höhe von 25,5 Milliarden US-Dollar nötig gewesen.
Zunächst einmal war es darum gegangen, eine Rakete zu konstruieren, die in der Lage war, die Astronauten sowie ihre Mondlandefähre zum Mond zu bringen. Die so entstandene Saturn V mit ihrer Höhe von über 110 Metern war (und ist bis heute) die größte Rakete der Welt. Sie besaß ein Startgewicht von 2.900 t (davon 2.550 t Treibstoff). Um dieses Ungetüm vom Boden abheben zu lassen, mussten die fünf Triebwerke der ersten Stufe über 3.400 t (160 Mio. PS) Schubleistung erbringen.
Im Jahr 1962 beschloss die NASA den Bau eines Fluggeräts für zwei Personen, das in der Lage sein sollte, auf dem Mond zu landen. Das Unternehmen war so gedacht, dass drei Astronauten in ihrem Raumschiff in die Mondumlaufbahn gelangen sollten. Während einer der drei in der Kommandoeinheit verblieb, die zusammen mit der Betriebs- und Versorgungseinheit als CSM (Command and Service Modules) bezeichnet wurde, würden die anderen beiden an Bord der Mondlandefähre (LM = Lunar Module) gehen. Mit diesem Landefahrzeug, das den Namen “Eagle” (Adler) erhielt, sollte schließlich die Landung auf dem Mond erfolgen.
Der Ort, den man für die Landung auf dem Mond auswählte, ließ keinerlei landschaftliche Besonderheiten erkennen; es hätte wohl weitaus interessantere Stellen auf unserem Trabanten gegeben, doch das Risiko einer Landung dort wäre zu groß gewesen. So hatte man sich für ein Gelände von 18,5 mal 4,8 Kilometern Größe entschieden, dass an der Westgrenze eines Gebietes mit dem Namen “Meer der Ruhe” (Mare Tranquillitatis) lag. Dieses Gelände, das man als “Landing Site 2″ (Landeplatz 2) bezeichnete, wurde deshalb ausgewählt, weil es keinerlei Hindernisse aufwies und außerdem durch seine Nähe zum Mondäquator leicht zu erreichen war. Der Zeitpunkt des Abflugs von der Erde wurde so gewählt, dass sich die Sonne im Moment der Mondlandung etwa 10 Grad über dem Mondhorizont befinden würde, so dass Hügel und größere Felsen deutlich sichtbare Schatten werfen würden. Auf diese Weise sollte es Armstrong erleichtert werden, etwaigen Hindernissen auszuweichen.
Die drei Astronauten, die man für dieses historische Unternehmen ausgewählt hatte, waren Neil Alden Armstrong, der als Kommandant die Mission leitete, Oberstleutnant Michael Collins, der als Pilot der Kommandokapsel fungierte, sowie Oberst Edwin Eugene “Buzz” Aldrin, dem die Steuerung der Mondlandefähre oblag. Es war geplant, dass Armstrong und Aldrin mit der Landefähre den Mond anfliegen sollten, während Collins an Bord der Kommandoeinheit, die man “Columbia” taufte, in der Mondumlaufbahn bleiben würde.
Der Flug zum Mond verlief ohne Zwischenfälle, doch als Armstrong und Aldrin im Begriff waren, mit der Landefähre zur Mondlandung anzusetzen, tauchten erstmals Probleme auf. Die Landefähre befand sich rund 1.220 km über der Mondoberfläche, als plötzlich ein Warnsignal erschien: der Bordcomputer zeigte eine bevorstehende Überlastung an. Diese Warnung wurde auch auf den Bildschirmen im Kontrollzentrum in Houston mitverfolgt, wo man nun in aller Eile zu entscheiden hatte, ob das Unternehmen abgebrochen werden musste oder nicht. Ein Computerspezialist befand schließlich, dass die Mondlandung planmäßig stattfinden könne, so dass man Armstrong mitteilte, das Warnsignal einfach zu ignorieren und den Landeanflug fortzusetzen. Als die Landefähre nur noch einige Dutzend Meter von der Oberfläche entfernt war, erkannte Armstrong, dass die Flugautomatik das Fahrzeug auf felsiges Gelände am Rand eines größeren Kraters zusteuerte. Kurz entschlossen übernahm er die Steuerung, obwohl nur noch für zwei Minuten Treibstoff vorhanden war. Er flog ein ebeneres Gelände an, und – mit einer Treibstoffreserve für nur noch knapp 20 Sekunden Flug im Tank – setzte die Landefähre auf der Mondoberfläche auf.
Sechs Stunden brauchten die Astronauten anschließend für ihre Vorbereitungen auf den bevorstehenden Mondspaziergang, ehe Armstrong am 21. Juli 1969 um 03:56 Uhr MEZ als erster Mensch den Mond betrat und dabei die berühmten Worte sprach:
“Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit.”
Etwa 20 Minuten später stieg auch Aldrin aus und betrat die Mondoberfläche. Nachdem Armstrong und Aldrin die amerikanische Flagge aufgestellt hatten, wandten sie sich den wissenschaftlichen Experimenten zu. Die beiden Astronauten installierten ein Seismometer, um Mondbeben messen zu können. Das Gerät zeichnete neben unterschiedlich starken Mondbeben sogar die Erschütterungen auf, welche durch die Schritte der beiden Männer verursacht wurden. Leider arbeitete das Seismometer nur 21 Tage lang. Außerdem stellte man einen Laserreflektor auf, mit dessen Hilfe es möglich war, die Entfernung zwischen Erde und Mond auf 15 cm genau zu messen. Doch nicht alle Instrumente dienten der Erforschung des Mondes: so installierte Aldrin eine Aluminiumplatte, die dazu diente, die Zusammensetzung des Sonnenwindes näher zu untersuchen – also jene geladenen Teilchen, die von der Sonne ausgestoßen werden, aber wegen des Magnetfeldes der Erde nicht in die Erdatmosphäre eindringen können. Die Versuchsanordnung wurde am Ende der Mission wieder abgebaut und sofort nach Rückkehr zur Erde eingehend analysiert. Des Weiteren sammelten die Astronauten insgesamt 21,6 kg an Gestein und Mondboden ein.
Nach einem Aufenthalt von 2 Stunden und 31 Minuten auf der Mondoberfläche kehrten Armstrong und Aldrin wieder in die Landefähre zurück, um den Rückflug zur Erde anzutreten. Dabei stellte Aldrin fest, dass der Hebel eines Schalters abgebrochen war, der für den Start benötigt wurde. Offenbar hatte Aldrin selbst bei den Vorbereitungen für den Mondspaziergang den Schalter mit dem Rucksack seines Raumanzuges berührt. Aldrin verwendete schließlich einen Filzstift, um den Schalter zu betätigen. Der Start der Landefähre von der Mondoberfläche gelang problemlos, die Fähre schwenkte in eine Mondumlaufbahn ein und koppelte wieder an die Kommandokapsel an. Am 24. Juli 1969 wasserte die Kapsel im Pazifik und wurde nach der Bergung der Astronauten von der USS Hornet an Bord genommen. Heute ist die Kapsel im National Air and Space Museum in Washington D.C. ausgestellt.
Mit Apollo 11 ging die erste jemals von Menschen unternommene Landung auf einem anderen Himmelskörper zu Ende, und es begann eine neue Ära in der Geschichte der Raumfahrt.