Die Venus ist von dichten Wolken verhüllt, ein Blick auf ihre Oberfläche ist im sichtbaren Bereich des Lichts nicht möglich. Die bislang einzigen hochauflösenden Aufnahmen der Oberflächenstrukturen stammen von Abtastungen per Radar. Diese geben allerdings keinen Aufschluss über die Zusammensetzung der Gesteine.
Jetzt hat die Raumsonde Venus Express der Europäischen Raumfahrtagentur ESA eine erste Karte der Südhalbkugel der Venus erstellt, die nicht auf Radar- sondern auf Infrarotwellen einer bestimmten Wellenlänge basiert. Der große Vorteil dieser Methode: Gesteine unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung geben auch verschiedene Mengen an Infrarotstrahlung an ihre Umgebung ab. Ähnlich wie eine Ziegelmauer tagsüber Hitze speichert und sie nachts ausstrahlt, ist auch das Wärmeaufnahme- und Speichervermögen natürlicher Gesteine unterschiedlich. Genau diesen Effekt machten sich die Planetenforscher der ESA zunutze. Ihre aus mehr als tausend Einzelbildern zusammengestellte Karte liefert nun einen ersten Anhaltspunkt dafür, dass die Hochebenen des Planeten Kontinente gewesen sein könnten, die einst von Ozeanen aus flüssigem Wasser umgeben waren. Die Gesteine auf den Plateaus Phoebe und Alpha Regio erscheinen im Infrarotlicht deutlich heller als der größte Teil der restlichen Planetenoberfläche. Auf der Erde erscheinen vor allem Granite so hell. Wenn es aber auf der Venus Granit gibt, dann muss es in der geologischen Vergangenheit unseres Schwesterplaneten auch einen Ozean und Plattentektonik gegeben haben.
Auf der Erde entsteht Granit beispielsweise dann, wenn wasserhaltiges Gestein der ozeanischen Kruste an den Subduktionszonen in die Tiefe gedrückt wird. Die Hitze schmilzt das Gestein und aufliegendes Sediment. Vulkanische Aktivität ist in diesen Bereichen häufig anzutreffen. Der hohe Wassergehalt der Schmelze lässt ein saures Magma entstehen, das in der Erdkruste beim Erstarren Granit bildet. Dieses gehört zu den häufigsten Gesteinen der kontinentalen Erdkruste.
Infrarotkarte deutet auf erdähnlichere Vergangenheit der Venus hin
16. Juli 2009
